Dienstag, 25. Juni 1996 DM3,80 SF4,10 ÖS30,00 Seite 1 BLÖD Abhängig, Parteiisch und Überhaupt


S I E K A M E N Z U R Ü C K !

N o r d s c h l e i f e e r n e u t Z i e l d e r R o c k e r !

MTward - (Adenau) Unerwartet ist die Umgebung des Nürburgrings gestern erneut Opfer der bundesweit gefürchteten Rockerbande geworden, die seit geraumer Zeit in ganz Deutschland ihr Unwesen treibt. Die Ermittlungen im Fall Ring-1030 vom 11.06.96 ( BLÖD berichtete) ergaben nach Rücksprache mit der Polizei und der Staatsanwaltschaft in Worms und am Moritzberg, daß die Rockerbande ihre heimtückischen Anschläge an ständig wechselnden Zielen verüben. So fühlte sich die idyllische Eifel-Region rund um die Nordschleife wieder in Sicherheit - eine trügerisches Gefühl, wie sich gestern herausstellte.

"Hier könnt ihr heute nicht fahren!" - H.Elm, Fahrinstruktor, weiß noch genau, wie er die Vorhut der Rocker von der Rennstrecke schickte. "Sie haben sich ein wenig umgeschaut und sind dann wieder gefahren." Was er nicht wissen konnte, war daß die beiden Rocker nach Start-Ziel nun auch den Rest der Strecke erkundeten. Auch das Personal der Imbissbude in Breitscheid dachte sich nichts besonders. "Motorrad-Rocker gehören bei uns zum Stammpublikum, woher sollten wir denn wissen, daß es so schlimm wird."

Auf einmal waren die beiden Rocker verschwunden und keiner dachte mehr an böses. Doch dann sah H.Elm bei einer weiteren Runde mit seinen Fahrschülern die beiden roten Motorräder im Unterholz am Rand der Strecke stehen. "Sie standen dort im Gebüsch und schauten Richtung Start-Ziel." Offensichtlich gehörten sie zu den anderen Rockern, die sich inzwischen am Streckeneingang gesammelt und dort begonnen haben, unschuldige Passanten zu drangsalieren.

"Als ich die Gefährlichkeit dieser Rocker erkannt habe, habe ich sofort meine Schüler in Sicherheit gebracht - Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn man sich auf der Strecke begegnet wäre..."

Doch der Spuk dauerte nicht lange: erneut wurde das Personal der Rennstrecke überfallen. K.Assierer, Eintrittskartenwart,: "Ich habe das 24h-Stundenrennen überlebt, ich habe Motorrad-GPs gesehen, aber das hier war die Hölle. Sie haben mich gefoltert - Vier Mal!!!"

Dieses Mal machten die Rocker auf der Strecke vor nichts mehr halt, selbst die Auslaufzonen wurden in Mitleidenschaft gezogen. Ein Augenzeuge beobachtete, wie eine martialisch aussehende BMW mit Trecker-Reifen die Sturzräume im Adenauer Forst durchpflügte und genauso plötzlich wie sie kam auch wieder verschwand. Auch der optische Eindruck, den die Rocker hinterließen war dieses Mal von ungekanntem Ausmaß. Augenzeugen berichteten von einem roten Motorrad, welches sich leise anschlich um dann plötzlich Funken sprühend und metallisch knarzend durch Kurven zu fliegen. "Es war außerirdisch, so leise und so schnell sind normale Motorräder nicht." Z.Euge steht offensichtlich immer noch unter Schock. Andere Augenzeugen sahen dieses Motorrad sogar fliegen: "Ich hörte nichts - auf einmal kam da dieses rote Geschoß über die Kuppe auf mich zu geflogen, knallte auf den Boden, schoß wild schlingernd weiter auf mich zu und drehte erst im letzten Augenblick ab. Dabei war es völlig geräuschlos..."

Die insgesamt 10 Rocker verließen urplötzlich die völlig zer- und verstörte Ring-Region, nicht ohne als Warnung fürs nächste Mal eindrucksvolle Fahrspuren in einer Böschung zu hinterlassen. Einer der in dieser Gegend sehr zahlreich auftretenden Augenzeugen sah einen bunten, Ritter-ähnlich ausstaffierten Motorradfahrer mit seinem offensichtlich speziell für solche Aktionen gebauten Motorrad einfach die Böschung einer Straße rauffahren. "Er sprang einfach über den Graben und fuhr durch die Büsche den Hang hoch. Da bekam ich Angst und bin weggerannt."

Das Treiben der Rocker hat sich inzwischen rumgesprochen. So hatte das bereits beim letzten Anschlag der Rocker in Mitleidenschaft gezogene Cafe Fahrtwind rechtzeitig Fenster und Türen verrammeln können. "Montags Ruhetag" - damit versuchte das Cafe-Personal die Rocker zu täuschen. Hungrig durch die Aktionen der vergangenen Stunden zogen es die Rocker daraufhin erstmal vor, eine Rockerkneipe in Schuld unsicher zu machen - doch auch hier wieder nur der plumpe Täuschungsversuch "Montags geschlossen".

Die Rocker zogen sich in eine Imbissstube zurück und beratschlagten ihr weiteres Vorgehen. Die Bedienung der Imbissstube konnte bisher noch nicht vernommen werden, ersten Erkenntnissen nach hat es sich aber wahrscheinlich folgendermaßen abgespielt: die Rocker stürmten das Lokal, schmissen Tische und Stühle durch die Gegend, plazierten strategisch geschickt runde Kunststoffkugeln (offensichtlich Sprengkörper) und legten ihre Panzer ab. Dann begannen sie die Serviererin zu quälen. Anwohner berichten von wilden "Cola", "Apfelschorle", "Ohne Majo!", "Sind da Pommes bei?", "Ich auch!" Rufen.

Was dann geschah, läßt sich noch nicht genau rekonstruieren. Der erste Eindruck ergab, daß sie die Speisen auf dem Tisch verteilt haben. P.Opelist, Wachtmeister bei der Polizei Schuld: "Der genaue Tathergang läßt sich noch nicht mit 100%iger Sicherheit schildern. Offensichtlich haben sie die bestellten Waren auf dem Tisch verteilt. Allerdings fehlen uns noch größere Mengen. Wir können also nicht ausschließen, daß diese von den Rockern tatsächlich vertilgt wurden."

Nachdem die Rocker das in Trümmern liegende Lokal verlassen habe, war nach einem ohrenbetäubendem Lärm plötzlich alles vorbei. Die Rocker verschwanden so schnell und unerwartet, wie sie aufgetaucht sind. Einzelne Zwischenfälle wurden noch aus anderen Eifelregionen gemeldet, allerdings stimmen die Beobachtungen nicht mit denen vom Nürburgring überein. So wurde in Trier ein kleines rotes Spielzeug- Motorrad gesehen, welches auch am Ring beobachtet wurde. Inzwischen steht aber fest, daß das Motorrad in Trier einen Streifen Gaffa- Tape an der Seite hatte, daß am Ring jedoch nicht. Auch die Größe der Rockergruppe, die angeblich in Bonn gesehen (2 Rocker) wurde, läßt bislang nur Spekulationen über eine mögliche Tatbeteiligung zu. Lediglich Richtung Aachen sind noch einige Zwischenfälle berichtet worden. So soll in der Nähe von Camp Vogelsang eine Gruppe Rocker das Gebiet ausgekundschaftet haben und sich in Plastik- Kampfanzüge gestopft haben. Der Polizist, der diese Meldung über Funk durchgab wird allerdings seitdem vermißt, so daß noch nichts näheres bekannt ist.

BLÖD wird sie über den aktuellen Stand der Ermittlungen auf dem Laufenden halten.

Lesen Sie demnächst in BLÖD: Die Rocker sind unschlagbar!!



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