MatT - Am gestrigen Montag, dem 11. Juni 1996, kam es erneut zu Ausschreitungen einer mittlerweile bundesweit gesuchten Rockerbande. Nach den Vorkommnissen in der Nähe von Worms am Pfingstwochenende und den ebenfalls mehrtägigen Exzessen auf dem Moritzberg bei Erlangen war der in der Eifel gelegene Nürburgring das dritte Angriffsziel der meist in Leder gehüllten Rowdies innerhalb weniger Wochen.Dienstag, 12. Juni 1996 DM3,80 SF4,10 ÖS30,00 Seite 1
Abhängig, Parteiisch und Überhaupt
ROCKER BESETZEN INTERNAT. RENNSTRECKE !Panik und Chaos auf und um den Nürburgring!
Durch intensive Ermittlungsarbeit einer in jüngster Vergangenheit gebildeten Sondereinheit der Polizei, der ROSINANTE 916 (ROckerbanden- SIcherstellung- Nadelstreifen- ANti- TErrorgruppe), konnte die Bevölkerung rechtzeitig informiert und die umliegenden Ortschaften weitestgehend evakuiert werden. Wie schon in den letzten Wochen gelang es einem BLÖD-Reporterteam durch geschickte Tarnung (u.a. als mobile Zapfsäule oder Streckenbegrenzung) die Geschehnisse unbeobachtet zu verfolgen.
Gegen 17:00 traf die Bande an einer Tankstelle nahe der Rennstrecke ein. Zu diesem Zeitpunkt fehlte noch einer ihrer Anführer (zu erkennen am lautesten Motorrad), wodurch die anderen Bandenmitglieder sichtlich irritiert schienen.
Der Tankwart: "Es war furchtbar. Durch die Tupperparty meiner Frau überhörten wir die Durchsagen der Polizei wegen der Evakuierung. Ich saß also in meiner Tankstelle, als plötzlich einer nach dem anderen von diesem finsteren Gesindel an den Zapfsäulen hielten. Was sollte ich tun? dachte ich mir. Da kamen sie auch schon herein. Ich zitterte am ganzen Körper. Sie redeten etwas daher von Nummer 3 und Twix und 2 Cola, doch ich hatte solche Angst, ich habe doch 2 Kinder! Ich schnappte mir noch schnell die Kasse und rannte um mein Leben. Ich konnte mit meiner Familie und ein paar persönlichen Dingen gerade noch rechtzeitig die Stadt verlassen!"
Die Tankwartfamilie hat sich inzwischen an ihre neue Umgebung gewöhnt und wird voraussichtlich am kommenden Freitag erstmals im Anstaltspark einen kurzen Spaziergang wagen, Anm. der Redaktion
Nachdem die Tankstelle geplündert und anschließend in Brand gesetzt wurde, machten sie die Rocker auf den Weg zur Rennstrecke, unser Reporterteam immer mit sicherem Abstand im Nacken.
An der Nordschleife angekommen, zeigte sich das von uns erwartete Bild: außer dem Streckenpersonal, das im Vorfeld mit Sitzstreiks gegen die Evakuierung demonstriert hatte, und ein paar lebensmüden Motorrad- und Autofahrern war der gesamte Nürburgring fast menschenleer.
Einige Beamte der ROSINANTE 916 hatten sich als Touristen getarnt mit Zelten um die Rennstrecke verteilt, ihr Verteidigungsplan wurde vor uns jedoch leider aus Sicherheitsgründen geheimgehalten.
Kurze Zeit später näherten sich die ca. ein Dutzend Rocker geschlossen dem Eingang zur Nordschleife, fesselten und knebelten die Kassierer und begaben sich mit ohrenbetäubendem Lärm auf die 22 km lange Rennstrecke. Der Lärm der aufheulenden Motoren, schleifenden Metallteile, quietschenden Reifen und unregelmäßigen Fehlzündungen war bis in die letzten Winkel der sonst so idyllischen Eifel zu vernehmen. Menschen flüchteten in ihre Häuser, Rehe sprangen erschreckt in das schützende Dickicht, Vögel zogen eilig gen Süden. Selbst der sonst so zutrauliche Waldkauz suchte sich Schutz im Inneren einer 200 Jahre alten Eiche. Es war erschreckend! Eine ganze Region erzitterte von dem unvergleichbaren Krach, den eine Horde wildgewordener Rowdies zu erzeugen im Stande war.
Nach der ersten Umrundung der fahrerisch anspruchsvollen Strecke sammelte sich die Gruppe wieder am Eingang, um weitere Anschläge zu besprechen. Ca. 10 Minuten später traf der den Behörden als DonCool bekannte Anführer der Bande ein. Der Anblick und der Lärm seines Motorrades schlug nun auch die letzten Helden der Rennstrecke in die Flucht.
Angetrieben durch die extremistischen Äußerungen dieses Wahnsinnigen begab sich die Horde ein weiteres Mal auf die Strecke. Die inzwischen völlig aus ihrem natürlichen Rhytmus gebrachte Flora und Fauna rund um den Ring erlebte ein brüllendes Inferno, das selbst einen Luftangriff der Russen in den Schatten gestellt hätte.
Ein Teil der Rocker begab sich auch ein 3. und 4. Mal auf die Rennstrecke, während sich die anderen Gesetzlosen an den von völlig verstörten Menschen auf der Flucht zurückgelassenen Motorrädern und Autos zu schaffen machten.
Eine Gruppe der ROSINANTE 916 versuchte noch auf der Strecke, den Rockern in einem Reisebus den Weg zu versperren, um sie anschließend zu umzingeln und zur Aufgabe zu zwingen, während der Einsatzleiter die Aktion von seinem Wohnmobil aus steuerte. Dieser Plan scheiterte allerdings an den waghalsigen Überholmanövern der Rocker, die dem Bus keine Chance zum Reagieren gaben.
Als die Rocker dem Ring nach etwa eineinhalb Stunden den Rücken kehrten, bot sich unserem Reporterteam ein Bild des Schreckens: Gummifetzen, Plastikteile, Zigarettenstummel und sonstiger Unrat säumten die Strecke. Die Säuberungsarbeiten und der Wiederaufbau am Nürburgring werden wahrscheinlich Monate in Anspruch nehmen und Kosten in Millionenhöhe verschlingen.
Aufgehetzt und motiviert durch ihre Greueltaten überfielen die Rocker dann auch noch einen nahegelegenen Motorrad-Treff, das Cafe "Fahrtwind". Teile der Bevölkerung des betreffenden Ortes, der leider in den Evakuierungsplänen der Polizei nicht berücksichtigt wurde, wird wohl bleibende Schäden an Seele und Gehör davontragen. Im Cafe Fahrtwind stärkten sich die Rocker mit hochprozentigem Alkohol und scharf gewürzten Speisen, wodurch die Stimmung innerhalb der Bande immer beängstigendere Ausmaße annahm.
Der Wirt: "Ich hatte Todesängste. Immer und immer wieder mußte ich ihnen dieses Dähne-Video zeigen. Sie knebelten mich mit ihren verschwitzten Halstüchern und bedrohten mich mit Drehmoment- schlüsseln. Was hätte ich denn tun sollen!?!"
Gegen 20:30 verließen die Rocker die Überreste des Cafes und begaben
sich auf den Heimweg. Sternenförmig verteilten sie sich auf die
umliegenden Autobahnen. Etliche Verkehrsfunksender berichteten in den
darauffolgenden Stunden von Verfolgungsjagden, eingetretenen
Autotüren und suizidartigen Überholvorgängen.
Jetzt ist es 22:00, wir stehen hier mit unserem BLÖD-Reporterteam auf der Zielgeraden der Nordschleife. Mittlerweile ist in der Eifel wieder Ruhe eingekehrt, der ohrenbetäubende Lärm ist verhallt, die Verwüstungen sind überall deutlich zu erkennen, die Bevölkerung kehrt langsam wieder in ihre Dörfer und Häuser zurück. Wieder ist es der Polizei, trotz Anwesenheit der Spezialtruppe ROSINANTE 916, nicht gelungen, diese Rockergruppe, die seit Kurzem ganz Deutschland in Angst und Schrecken versetzt, zur Strecke zu bringen.
Eine Berliner Logistikfirma und ein Aachener Bauunternehmen, die an dem Projekt "Aufbau Ost" beteiligt waren, wurden mit den notwendigen Arbeiten beauftragt. Aller Voraussicht nach müssen alle Veranstaltungen, die für das Jahr 1996 auf dem Nürburgring geplant waren, aufgrund der hirnlosen Zerstörungswut einer Hand voll randalierender Heranwachsender abgesagt werden.
Wann endlich wird die Bundesregierung den Antrag der Grünen für eine Gesetzesänderung aufgreifen, die ein Verbot von Lederbekleidung und eine allgemeine Geschwindigkeitsbeschränkung für Krafträder auf 50 km/h vorsieht?
Armes Deutschland!
Ihr BLÖD-Reporterteam von der Front am Nürburgring
BLÖD für Sie immer am Ball!
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