kaym - Noch immer herrscht Chaos in Worms-Pfeddersheim, die der Reitanlage benachbarte Kiesgrube wird mit schweren Räumgerät wieder freigelegt, die Geschäfte und Tankstellen entfernen die Barrikaden und vernageln die zerstörten Fenster mit Holz.Mittwoch, 29. Mai 1996 DM3,80 SF4,10 ÖS30,00 Seite 2
Abhängig, Parteiisch und Überhaupt
ROCKER EROBERN 4 BUNDESLÄNDERP F A L Z, H E S S E N, B A Y E R N, B A D E N - W Ü R T E M B E R G
Das schwer angeschlagene Reporterteam, das in die Reihen der Rocker eingeschleust wurde, ist immer noch nicht ansprechbar. Welche fürchterlichen Dinge haben sich hier ereignet? Wir können nur von den Geschehnissen ausserhalb der abgeriegelten Stadt berichten.
Nach der Besetzung von Worms am Freitag folgte ein relativ ruhiger Tag an
welchem nur laute Musik, aufheulende Motoren und panische Schreie über
die Stadtgrenzen drangen. An diesem Tag schien unser Reporterteam noch
unerkannt
unter den Rockern
zu verweilen, denn wir konnten eine kurze
Mitteilung über wilde Orgien und ein durch die Strassen von Worms
getriebenes Hochzeitspaar erhalten. Von dem Hochzeitspaar fehlt bis
jetzt jede Spur, lediglich ein paar vor der Kirche gefundene Gummiflecken
deuten auf ein schlimmes Schicksal.
Zur Situation am darauffolgenden Sonntag befragten wir den Einsatzleiter.
BLÖD: Am Sonntag kahm es zu massiven Zusammenstössen zwischen der Polizei und den Rockern. Was war geschehen ?
EL: Um die Rocker zu fassen hatten wir Worms weiträumig abgeriegelt. Aus irgendeinem Grund muss das unerwartete gute Wetter am Sonntag die Rocker zu einem Ausfall von unerwarteten Ausmassen veranlasst haben. Zunächst überrannten Sie unsere Barrikaden in Richtung Odenwald, wo sich zunächst Ihre Spur verlor.
BLÖD: So wie es aussieht war das aber nur ein Ablenkungsmanöver.
EL: Genau, während wir noch verzweifelt versuchten unsere sich in wilder Flucht befindlichen Kräfte zu sammeln, erfolget ein zweiter Ausbruch in die entgegengesetzte Richtung.
An diesem Tag wurden insgesammt vier Bundesländer von den Rockern
überrannt. In der Pfalz besetzten sie das Eisbachtal bis
Kaiserslautern, das Johanniskreuz und die Hardt. In Hessen und
Baden-Würtemberg rasten sie in grossen Gruppen durch den Odenwald bis
nach Amorbach in Bayern. Warum sie Ihrer Eroberungspläne am Neckar
beendeten ist auch heute noch ein Rätsel. Um die eigenen Verluste
möglichst gering zu halten hatte die Polizei alle Kräfte aus den
betroffenen Gebieten abgezogen, so dass es zu keinen weiteren
Zusammenstössen kahm.
Möglicherweise war das der Grund dafür, das die Rocker gegen Abend die besetzten Gebiete räumten und sich nach Worms zurückzogen. Sollten diese Vorgänge etwa nur dem einen Ziel dienen Spass zu haben? Vielleicht werden wir es niemals erfahren ...
Der gestohlene Bus des Getränkehändlers wurde soeben aufgefunden. Aus unbekannten Gründen ist er unversehrt und enthält nur 50 leere Bierkisten. Mittlerweile sind auch die Städtischen Entsorgungsbetriebe an der Arbeit , um mehrere Tonnen Unrat, der in Laufe des Wochenendes zusammen gekommen ist, zu beseitigen.
Doch die Wormser zittern, am folgenden Wochenende soll es Gerüchten zufolge zu einer weiteren Invasion von Motorradfahrern kommen!
BLÖD bleibt für sie dran!
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