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Männer im Bad (Loriot)


Ich möchte nicht unhöflich erscheinen, aber ich wäre jetzt ganz gerne allein.

Wer sind Sie denn überhaupt?

Mein Name ist Müller-Lüdenscheidt.

Klöbner, Doktor Klöbner.

Angenehm.

Angenehm.

Können Sir mir sagen, warum Sie in meiner Badewanne sitzen?

Ich kam vom Ping-Pong-Keller und hatte mich in der Zimmernummer geirrt.
Das Hotel ist etwas unübersichtlich.

Aber jetzt wissen Sie, daß Sie in einer Fremdwanne sitzen und baden trotzdem weiter.

Von Baden kann nicht die Rede sein, es ist ja kein Wasser in der Wanne.

Als ich das Bad betrat sassen Sie im warmen Wasser.

Aber Sie haben es ja wieder abgelassen.

Weil Sie es eingelassen haben, Herr Doktor Klöbner. In meiner Wanne pflege ich das Badewasser selbst einzulassen.

Na, dann lassen Sie's doch jetzt ein.

Mein Badewasser lasse ich mir ein, wenn ich es für richtig halte.

Gewiss, natürlich.

[Verlegenes Pfeifen...]

Es sitzt sich recht kühl, einfach so in der Wanne.

Ich sitze gern mal ohne Wasser in der Wanne.

Ach.

Was heißt "ach"?

Ach. Sie sagten, daß Sie gerne ohne Wasser in der Wanne sitzen und ich meinte "ach".

Aha.

Ich hätte auch "aha" sagen können, aber ich wollte meiner Verwunderung darüber Ausdruck geben, daß Sie es vorziehen, ohne Wasser in der Wanne zu sitzen.

Herr Doktor Klöbner, ich leite eines der bedeutendsten Unternehmen der Schwerindustrie und bin Ihnen in meiner Badewanne keine Rechenschaft schuldig.

Nein, nein.

Ich entscheide persönlich, ob ich mit Wasser bade oder ohne.

Ja, ja.

Im übrigen sagte ich nur ...

Herr Müller-Lüdenscheidt ...

Bitte lassen Sie mich ausreden. Ich sagte, daß ich, wenn es die Situation erfordert, durchaus in der Lage wäre, auch mal ein Wannenbad ohne Wasser zu nehmen.

Ja, ja.

Und die Entscheidung darüber, ob ich mein Wannenbad mit oder ohne Wasser zu nehmen habe, lasse ich mir von niemandem aufdrängen.

Nein, nein.

Auch von Ihnen nicht, Herr Doktor Klöbner.

Herr Müller-Lüdenscheidt, es wäre ja immerhin denkbar, daß es gewisse Argumente gäbe, die dafür sprächen, das Wasser jetzt einlaufen zu lassen.

Wie wollen Sie das beurteilen?

Mein Gott, ich bade ja auch nicht zum ersten Mal.

So?

Und nach meiner Erfahrung ist eben ein warmes Wannenbad mit Wasser zweckmässiger als ohne.

Das ist Ihre ganz persönliche Meinung, Herr Doktor Klöbner. Aber man darf ja wohl noch anderer Ansicht sein.

Ach, was.

Sie können Sich in meiner Wanne eine eigene Meinung überhaupt nicht leisten.

Herr Müller-Lüdenscheidt!

Herr Doktor Klöbner! Ich lasse jetzt das Wasser ein, wenn Sie mich höflich darum bitten.

Bitte.

Höflich.

Höflich.

Na, also.

Was machen Sie da?

Ich lasse etwas kühleres Wasser ein.

Das ist sehr aufmerksam, aber ich hätte doch gerne noch eine Kleinigkeit von dem heissen.

Wenn ich jetzt einen Schuß von dem kalten dazunehmen könnte.

Das war eine Idee zu viel.

Ach.

Ich glaube, noch ein paar Tropfen heisses und man könnte sich einigen.
Geht es so?

Oh, ja. Vielen Dank.

Oh, bitte sehr.

Die Ente bleibt draussen.

Herr Müller-Lüdenscheidt!

Die Ente bleibt draussen!

Herr Müller-Lüdenscheidt, ich bade immer mit dieser Ente.

Nicht mit mir.

Ich kenne Sie ja erst seit heute.

Wenn Sie die Ente hereinlassen, lasse ich das Wasser heraus.

Das sind wohl die Erpressermethoden Ihrer Gangsterfirma.

Herr Doktor Klöbner!

Herr Müller-Lüdenscheidt!

Akademiker wollen Sie sein? Ha.

Also, was ist jetzt?

Ich lasse das Wasser heraus, wenn Sie die Ente hereinlassen.

Ich nehme meine Ente herein.

Wo ist der Stöpsel?

Sie sitzen drauf.

Wissen Sie eigentlich, daß viele Menschen überhaupt kein Bad besitzen?

Ach, Sozi sind Sie wohl auch noch?

Herr Müller-Lüdenscheidt!

Herr Doktor Klöbner! Also lassen Sie die Ente in Gottes Namen herein.

Nein, mit Ihnen teilt meine Ente das Wasser nicht.

Sie lassen sofort die Ente zu Wasser!

Ich denke nicht daran.

Dann tauche ich jetzt so lange, bis Sie die Ente zu Wasser lassen.

Bittesehr ...

Es ist mir ernst! Ich zähle bis drei. Eins, zwei, drei ... Hmmmmm ...

Da sind Sie ja schon wieder.

Jawohl.

Passen Sie mal auf!

Herr Doktor Klöbner? Hören Sie? Wenn Sie nicht sofort auftauchen, verlasse ich die Wanne. Die Luft anhalten kann jeder.

Was sagen Sie nun?

Sie langweilen mich.

Aber ich kann länger als Sie.

Es gibt Wichtigeres im Leben.

Was denn?

Ehrlichkeit, Toleranz ...

Ja ...

Mut, Anstand ...

Ja ...
Ja ...

Hilfsbereitschaft ...

Ja ...

Tüchtigkeit, Zähigkeit ...

Ja...

Sauberkeit ...

Aber ich kann länger als Sie.

Es kommt auf den Charakter an.

Aber ich kann länger als Sie.

Und das glaube ich ihnen nicht.

Dann tauchen wir jetzt gleichzeitig.

Wie Sie wünschen.

Dann werden wir's ja sehen.

Das werden wir sehen.

Ich habe schon ganz verschrumpelte Finger.

Ich auch.

Also. Eins, zwei ...

Drei ... Hmmmmm ...

Ist hier jemand? Hallo?
Entschuldigen Sie, ist das hier Zimmer 107?

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